Über den 'Wolf'...Wolf

in english

Wie bin ich nur hierher geraten, ich wollte doch Pilot werden…”?

Wollte..
..im Himmel tollen,
Wolken von oben sehen,
eine Maschine steuern, eine mit vier starken Motoren,
Abenteuer bestehen,
im Nebel landen,
bösen Gewittern ausweichen…

Phantasien von all diesem waren es, die mich eine Ur-Angst vor unbekanntem Lärm überwinden ließ. Anstatt ins Haus zu flüchten, wenn es mal wieder drohend brummte in der Luft, rannte ich ins Freie um besser sehen zu können was da im Himmel los war.

Von einem Tag auf den anderen überfiel er mich, der Virus Fliegerei.

Vier Jahre alt soll ich damals gewesen sein.

at the airport
playing

Es war eine hartnäckige Infektion, praktisch unheilbar.
Ich fand immer neue Aspekte, die mich faszinierten, immer neue Wege mich mit dem zu beschäftigen was flog und damit wie es flog.
Klar: ich wollte Pilot werden!

Dass ich dann in der Physik gelandet bin war eine Laune des Schicksals. So heisst das doch, wenn man auf der Lebensbahn plötzlich in eine Kurve schlittert ohne zu wissen wie. Um im Bild zu bleiben: als ich mit Volldampf auf das Tor “Pilot” zu raste, schlug es im allerletzten Moment zu. Ich konnte den Aufprall gerade noch vermeiden und fand mich nach wilder Lenkerei auf einer Nebenstrasse. Anstatt anzuhalten und die Karte nach dem besten Ausweg zu befragen fuhr ich einfach weiter, liess mich von einer Art spontaner Neugier treiben.

Alles klar? Naja..

Es war jedenfalls diese Neugier, die mich in die Forschung lockte, zu den elementaren Teilchen.

Winzigen Partikeln grosse Geheimnisse entlocken, das eine finden unter Milliarden, das anders ist, verstehen warum es anders ist. Das könnte ja ganz spannend sein. Redete ich mir ein.

Das Fliegen hat mich natürlich nicht losgelassen. Aber anstatt Airbusse nach Fahrplan um die Welt zu steuern, flog ich jetzt im Segelflugzeug einfach drauf los. Den Himmel lernte ich so auf eine andere, intimere Art kennen. Gewitter schienen da auf einmal gar nicht mehr so “böse”.

Zwischen den Wolken gab es dann oft Aussichten und Einsichten, die ich unbedingt festhalten wollte. Und so griff ich hinterher immer mal wieder zu Block und Griffel und schrieb meine Eindrücke auf.
Bilder dazu gab es genug, denn die Kamera war meistens dabei.

flying in the Andes

Die Nikon inspiriert mich auch am Boden die Welt, das Leben, auf meine Art zu sehen. Immer schon war das Fotografieren ein wichtiger Kontrapunkt zu den Aktivitäten im Labor und in der Luft, manchmal auch eine willkommene Ergänzung.

Meine Neugier auf das Elementare hatte sich dann irgendwann erschöpft, die nachhaltige Passion dafür nie entwickelt. Als ich einen Weg sah mich für ein, zwei Jahre ohne Einkommen durchzuschlagen, stürzte ich drei Tequilas und unterschrieb die Kündigung.

Peng! Cool! Frei!

MIt dem radikalen Wechsel kam ich anfangs ganz gut zurecht. Bis das Immunsystem revoltierte. Der Aufstand spielte sich auf verschiedenen Schauplätzen ab und dauerte zwei Jahre.
Danach war alles ganz anders, verschwommen irgendwie, undurchsichtig, stressig einfach.

“Nach Süden! Entspannen, sich auflockern! Sie müssen in den Süden!” riet mir eine Ärztin in der Schweiz und meinte natürlich das Tessin.

Nun bin ich in Patagonien – ein ganzes Stück weiter im Süden als sie sich vorgestellt hatte.

Die Nikon ist dabei, Block und Griffel auch.
Ich fotografiere also, schreibe, für mich – WolfsView zum Beispiel – und für andere.
Beides zusammen gibt auch mal eine website, einen Artikel, einen emotionalen Reisebericht, kondensiert auf ein paar pdf-Seiten.

Und wenn immer sich eine Gelegenheit bietet steige ich ins Cockpit und fliege.

Da meine alte Welt zu weit von Patagonien entfernt ist um sie über’s Wochenende mal schnell zu besuchen und den Freunden die neuesten Fotos zu zeigen, den letzten Text vorzulesen, treffen wir uns jetzt hier.

Und hier tauchen dann auch plötzlich neue Freunde auf, aus anderen Welten: Willkommen, Welcome, Bienvenue, Bienvenidos!

An Euch alle: Blättert rum, schaut’s an – und schreibt mir was Euch passt, was ihr hasst.

Hasta luego,
Wolf D. Herold

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