podcast #5: Ich fliege so wie ich bin

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Er war Sicherheitsingenieur, oder Versicherungsvertreter,

wenn ich mich recht erinnere, was mit Sicherheit auf jeden Fall, und wollte sich ein paar Tage in Patagonien herum treiben, bevor er seinen Sohn besuchte, der ein Austauschjahr in Argentinien verbrachte.

Als Segelflieger hatte er natürlich gehört, dass Klaus Ohlmann mit seiner Truppe mal wieder in San Martin auf der Lauer lag um den nächsten Windsturm zu einem Weltrekordversuch zu nutzen und da kam er einfach mal vorbei um ein bisschen zu quatschen. Nicht etwa dass er Ambitionen gehabt hätte da auch mal mit zu mischen, oder wenigstens mal als Passagier das Abenteuer eines Langstreckenfluges über den Anden mit zu erleben.
“Nee, das ist nichts für mich”, meinte er lakonisch ” das ist mir viel zu anspruchsvoll und aufregend!”
“Ich setz’ mich da zuhause lieber in einen gemütlichen Einsitzer und fliege ein bischen um den Flugplatz herum”

Warum auch nicht, dachte ich mir, ist ja auch eine der vielen Möglichkeiten dieses Hobby zu betreiben.

” Diese Hochleistungsmaschinen sind nicht mein Ding und weiter weg fliegen? Nee, man weiss ja nie…” fuhr er fort.
“Hier unten ist mir schon klar, dass es nicht nur um den Flugplatz herum Aufwind gibt, aber wenn ich fliege und mir vorstelle die Landebahn sei ausser Reichweite und ich dann keine Thermik finde? Ist halt doch ein bisschen riskant”.

Wow, was für ein Moment! dachte ich mir. Da schlürft einer seinen Tee und brütet über einer riesigen Landkarte wie er seinen eigenen Langstreckenrekord von 3000 Kilometern verbessern könnte und daneben sitzt ein anderer hinter seinem Bier und erzählt was es ihn für Nerven kostet mal 30 Kilometer vom heimischen Hafen weg zu segeln!

Ich fragte mich natürlich, wo der Typ mit Bier da soviel Risiko sah und kam auch gleich auf mindestens drei Ideen wie ich dieses Risiko auf das eines Besuchs im Biergarten reduzieren könnte. Aber dann verfing ich mich in einem Wort, das er benutzt hatte: “…und mir vorstelle die Landebahn….”

Das Risiko stellte er sich vor!

Na klar doch: der Mann war ja ein Sicherheits-Profi – um Sicherheit zu verbessern muss er sich erstmal vorstellen, was alles schief gehen könnte und das lässt ihn offenbar auch in der Luft nicht los.

Oder steckte da noch mehr dahinter? Vielleicht war ja Sicherheit der dominante unter seinen Grundwerten, danach lebte er, als Konsequenz daraus wählte er seinen Beruf und im Einklang damit flog er auch.

Die nächste Frage lag auf der Hand: mit welchen Grundwerten fliegt dann einer in 15 Stunden 3000 Kilometer? oder noch spannender: nach welchen Grundwerten fliege denn ich?

Auf die Schnelle scannte ich ein paar Seiten im Logbuch durch und blieb bei ein paar Flügen hängen. Über einen von ihnen habe ich eine kleine Geschichte geschrieben.

Für die Leser geht’s hier zum dritten Kapitel aus “Unter Wolken”, die Audio-Fans finden den player-button – link zum “Hörspiel” am Ende dieses Eintrags – wie schon bei den früheren podcasts auch wieder mit der Möglichkeit zum Herunterladen (Download).

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